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Die vier größten Mythen, die sich um Surf Finnen ranken und was du wirklich über Surf Finnen wissen

Im Wasser sieht man sie meist überhaupt nicht - die Surf Finnen. Und so kann man schnell zu der Überzeugung gelangen, dass sie vermutlich auch gar nicht so wichtig sind und es keine entscheidende Rolle spielt, welche Surf Finnen am Board sind. Warum jedoch die Wahl der richtigen Surf Finnen eine wichtige Rolle spielt, und welche weiteren Mythen sich um Surf Finnen ranken, darum soll es im folgenden gehen. Wir wollen besprechen, warum die Wahl der Surf Finne eine entscheidende Rolle spielt, uns mit der Frage auseinandersetzen, wie sich der Flex der Finne auf das Surfen auswirkt, ob eine Finne Foil haben sollte und was der Anstellungsgrad der Finne bewirkt. Es wird also etwas technisch, aber mit diesem Wissen bist du beim nächsten Finnen Kauf bestens gewappnet ;).



1. Die Wahl der Finnen: Es ist egal, welche Finnen ich am Board habe.

‚Meine Finnen? Puh, weiß ich gar nicht so genau, welche ich da am Board habe. Aber spielt das denn überhaupt eine Rolle?’.

So oder so ähnlich werden wohl einige Surfer denken, die sich noch nie intensiver mit der Auswahl der Surf Finnen auseinandergesetzt haben. Und das ist verständlich. Das Board wurde eventuell schon mit Surf Finnen gekauft, im Wasser sind die Finnen meist nicht zu sehen und auch mit anderen Surfern geht es im Gespräch um das Equipment wohl eher um die Größe oder den Shape des Boards als um das Finnen Set-up. Aber es lohnt sich das Board einmal umzudrehen und hinzuschauen, denn die Auswahl der Surf Finnen kann das Fahrverhalten des Boards im Wasser maßgeblich verändern.


Sieve Twin Fin; Fotograf Max Schmedes

Surf Finnen steuern dein Surfboard. Wie das Ruder am Boot. Durch den Widerstand, den sie im Wasser erzeugen bekommt dein Board Halt auf der Welle, dreht im Wasser und hält die Spur. Logisch also, dass ihre Größe und ihr Shape das Fahrverhalten deines Boards stark beeinflussen. Manchmal lässt sich allein durch das Einsetzen anderer Finnen ein ganz anderes Fahrgefühl herstellen. So kannst du eventuell sogar ein Board in deinem Quiver einsparen und stattdessen dein Sortiment an unterschiedlichen Surf Finnen aufstocken.



Bildbeschreibung: Sieve FCS 1 Thruster Fin


Nachdem wir also nun festgestellt haben, dass es sich lohnt sich mit der Wahl und den Eigenschaften verschiedener Surf Finnen auseinanderzusetzen, wollen wir im Folgenden weitere Mythen, die sich um Surf Finnen ranken, beleuchten.

2. Flex or no flex: Umso weniger Flex, desto besser?

Der Flex der Surf Finnen beeinflusst wie nachgiebig die Finnen im Wasser sind. Sind die Finnen aus einem sehr harten Material, haben Sie also sehr wenig Flex und geben so gut wie gar nicht nach. Sind die Finnen allerdings aus einem weichen Material, wie z.B. häufig die Finnen an einem Softboard, sind sie sehr nachgiebig.


Härtere Finnen ermöglichen engere Turns und mehr Kontrolle, da sie eine direktere Kraftübertragung ermöglichen. Heißt das also, dass eine Finne umso besser ist, umso weniger Flex sie hat? Hier scheiden sich die Geister. Denn eine Finne mit weniger Flex bringt zwar mehr Kontrolle, wirkt sich aber dafür negativ auf den Drive (Geschwindigkeit) und die Beschleunigung auf der Welle aus. Auch die Größe der Wellen kann bei der Beantwortung der Frage eine Rolle spielen. In kleineren Wellen kann mit weicheren Finnen mehr Geschwindigkeit generiert werden, während härtere Finnen mehr Kontrolle und Halt in großen Wellen bieten. Die Frage, ob und wieviel Flex eine Finne haben sollte, ist also auch immer von den Bedingungen und dem individuellen Surfstil abhängig.


Sieve Single Fin


3. Die Strömungseigenschaften: Flat foil ist besser als inside foil?

Wenn du dir schon einmal die Flügel eines Flugzeugs angeschaut hast, dann wirst du sicherlich festgestellt haben, dass diese nicht einfach flach sind, sondern gewölbt. Die Wölbung verringert die Reibung und verleiht so mehr Auftrieb. Schaut man sich Thruster Finnen an, so ist die Außenseite der äußeren Finnen (Side Fins) konvex geformt, während die Innenseite entweder flach (flat foil) oder leicht konkav (inside foil) ist. Aber was ist denn jetzt besser? Und genau hier entbrennt eine weitere Finnen Grund-Diskussion.



Sieve Twin Fins from recycled plastic on a Polen Board from Polyola Blank


Grundsätzlich kann man sagen, dass Finnen mit einer flachen Innenseite ein sehr verlässliches, gleichmäßigeres Fahrverhalten bewirken. Besonders an großen Tagen kann sich das positiv auf die Kontrolle des Boards auswirken. Eine konkave Innenseite (Inside Foil) hingegen verringert die Reibung des Wassers über die Oberfläche und sorgt so für mehr Auftrieb. So werden dem Surfer mehr Möglichkeiten durch erhöhten Halt und Geschwindigkeit auf der Welle gegeben. Einige Surfer schwören auf Inside Foil andere auf Flat Foil. Auch dies ist letztlich eine persönliche Entscheidung und unterschiedliche Finnen Templates haben unterschiedlich viel (oder keinen) Inside Foil. Daher gilt es hier ein Template zu finden, dass zum eigenen Stil und Surfspot passt.

4. Gerade oder schief: Wie der Cant (Neigungswinkel) die Wirkung der Finnen verändert

Cant beschreibt den Winkel, in dem die Seiten Finnen auf dem Board stehen. Geht die Finne starr nach oben, hat also keinen Cant, erhöhen sich Geschwindigkeit und Spurtreue des Boards beim geraden Fahren. Hat die Finne einen höheren Neigungswinkel, gibt sie mehr Auftrieb und Verspieltheit in den Turns, durch eine höhere Reaktionsfreude.


Mehr Cant erlaubt auch mehr Drive in Turns halten zu können, da in den Turns, das Board auf den Rails fährt und der höhere Neigungswinkel den Finnen dann ermöglicht, mehr Drive zu generieren.

Die meisten Seiten Finnen haben einen Neigungswinkel, hier ist sich die Surf Welt also einmal einig. Die genaue Gradzahl der Neigung ändert sich aber dann wieder von Hersteller zu Hersteller und bietet auch hier Stoff für Diskussionen.



Sieve Twin Fin from recycled carbon
Sieve Twin Fin Recycled Carbon

Fazit: Ausprobieren lohnt sich

Wie bei vielem, wenn es um das Surfen geht, sollte man lieber in’s Wasser springen, als sich zu weit in detaillierten technischen Diskussionen zu verlieren. Es lohnt sich aber dennoch sich mit der Wahl der Surf Finnen auseinanderzusetzen und auch einmal unterschiedliche Surf Finnen auszuprobieren, um die Wirkung auf das eigene Board und Fahrverhalten zu erkunden. Wir hoffen wir konnten euch einen guten Einblick in einige der Mythen geben, die sich um Surf Finnen ranken. In dieses technische Thema kann man natürlich noch viel tiefer einsteigen. Wenn euch auch interessiert, wie sich Rake, Base und Sweep auswirken, schaut gerne auch auf unserem Blog vorbei.



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