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Hüte, nachhaltiges Unternehmertum & Abenteuer: ein Interview mit Emanuel von Mojak

Aktualisiert: 10. Sept.

Mojak stellt wunderschöne Hüte, handgefertigt im Allgäu her. Schon vor einiger Zeit sind wir auf diese kleine, feine Marke aufmerksam geworden. Mit dem Gründer Emanuel haben wir darüber gesprochen, wie er zu der Idee kam, was Selbstständigkeit für ihn bedeutet und wie man eine starke Marke aufbaut. Einer der Hüte hat uns auch auf unserem Trip nach Norwegen und bis auf die Lofoten begleitet und wir können bestätigen: Mojak Hüte sind ausgezeichnete travel buddies!

Emanuel von Mojak
Emanuel von Mojak

Wie bist du ausgerechnet auf Hüte gekommen? Und vor Allem: Bist du selber Hutträger?


Die Frage bekomme ich tatsächlich ziemlich oft gestellt. Ehrlicherweise war es nie geplant, Hüte herzustellen. Zu der damaligen Zeit hatte ich mit Freund:innen ein kleines Streetwear-Label, war aber genervt von der Kurzlebigkeit von Trends, Rabattschlachten und dem Konkurrenzdruck in der Modebranche. Der Hut kam dann irgendwie durch schöne Umwege und Momente zu mir. Die Story ist etwas länger, aber ich erzähle hier mal nur die Kurzfassung. Das Ganze hat 2016 angefangen, ich war unterwegs nach Südfrankreich mit einer Ladung Rettungsbretter und hatte einen alten Filzhut von meinem Großvater mit im Gepäck. Unterwegs lernte ich damals Jules Ahoi kennen, der in dem Moment auch einen Hut trug. Als ich dann bei strömendem Regen die 1200 km zurück an den Bodensee gefahren bin, kam mir die Idee, dass ein Hut einfach ein tolles Produkt ist. Zeitlos, langlebig und handwerklich verarbeitet. Ein Antiprodukt, wie ich es nenne. Die rückblickende Geburtsstunde ist also bei einer Flasche Rotwein inmitten von Pinien entstanden. Ein paar Monate später bin ich dann noch mal nach Frankreich gefahren, mit den ersten Hutmustern und wir haben die ersten Fotos geschossen für den Start von unserem Online-Shop.

Ich trage selber sehr gerne Hüte, vor allem wenn ich unterwegs bin. Im Alltag mal mehr, mal weniger. Da ich den ganzen Tag von Hüten umgeben bin, trage ich tatsächlich auch mal ne Cap. Aber das behaltet ihr ja sicher für euch ;)?


Mojak Hut auf dem Weg an's Meer
Mojak Hut auf dem Weg an's Meer

Woher stammt der Name Mojak?


Mojak ist ein Wort mit ursprünglichen Wurzeln. Genauer gesagt stammt es aus der Sprache der Sioux. Die Sioux waren einer der größten indigenen Stämme im 1800 Jahrhundert in Nord- und Südamerika. Mojak bedeutet umgangssprachlich übersetzt so viel wie "nie still sitzen“. Eigentlich im Kontext von Kleinkindern, die immer umherspringen. Die Bedeutung passt super zu uns und im Kontext des Reisens bedeutet es: „Die Welt ist zu schön, um still zu sitzen – entdecke Sie.“ Und noch eine kleine Analogie. Das Tipi bot den First Nations im Sommer Schutz vor Hitze, im Winter vor Kälte und Sturm. Genau diese Eigenschaften erfüllen unsere handgefertigten Hüte und machen ihn zu dem besten Travel Buddy für das nächste Abenteuer.

Handgefertigt im Allgäu - Mojak Hüte
Handgefertigt im Allgäu - Mojak Hüte

Wo und wie werden die Hüte von Mojak produziert? Hattest du spezielle Kriterien bei der Produktion?


Alle Hüte aus der 100% Handmade-Collection werden im Allgäu in einem kleinen Familienbetrieb in liebevoller Handarbeit traditionell hergestellt. Hier wird mit Holzformen jedes Modell individuell gefertigt, somit ist jeder Hut ein echtes Unikat. Die Hüte aus der Classic-Line werden in Italien vorgepresst und dann im Allgäu weiter verarbeitet. Ein Modell beziehen wir aus Ecuador, da hier ebenfalls eine lange Huttradition herrscht und es noch viel Hut-Handwerk gibt. Uns war vor allem eine partnerschaftliche Zusammenarbeit wichtig und das wir tolle Materialien verwenden.

Unsere Hutwolle stammt von Schafen aus Uruguay, Argentinien und Australien. Immer wieder werden wir gefragt, ob unsere Wolle „mulesing-frei“ ist. Was ist Mulesing überhaupt? Um Fliegenbefall zu verhindern, wird den Schafen in Australien im Bereich des Schwanzes Haut entfernt, das Problem ist, dass dies in der Regel ohne Betäubungsmittel und ohne Nachbehandlung zur Wundheilung erfolgt. Daher ist diese Methode in vielen Ländern verboten oder klimatisch nicht notwendig. Daher unterliegt unsere Wolle aus Australien (da Risikoland) dem „Responsible Wool Standard“ (RWS) mit dem übrigens auch Patagonia arbeitet. Abgesichert ist dies über ein SCOPE-Zertifikat unserer Hutmanufaktur.


Wollverarbeitende Unternehmen, die die speziellen Hutrohlinge herstellen können, gibt es leider schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Deutschland, da der Hutmarkt ein zu vernachlässigender Teil in der Modeindustrie geworden ist. Wenn man sich alte Fotos von Anfang des 20. Jahrhunderts anschaut, war der Hut das Modeaccessoire überhaupt, man galt übrigens damals als schlecht gekleidet, wenn man keinen Hut auf hatte. Mit dem Untergang des Hutes als Massenprodukt (für die breite Gesellschaft) sind auch alle Unternehmen verschwunden, die aus dem Rohmaterial Wolle das Ausgangsmaterial für den Hut - den Hutrohling herstellen können. Hier setzt übrigens unsere Vision an.


Wer genau wissen will, welche Arbeitsschritte hinter einem Mojak Hut stecken, findet auf unserer Seite noch mehr Infos. Das Allgäu hat übrigens eine sehr lange Huttradition. Bis vor 100 Jahren haben hier rund 3000 Menschen in der „Hutindustrie“ gearbeitet. Heute sind es nur noch ein paar Handvoll.

Herstellung der Mojak Hüte
Herstellung der Mojak Hüte

Was hat dich bei deiner Gründung und Selbstständigkeit überrascht oder womit hättest du so nicht gerechnet, als du dich selbstständig gemacht bzw. Mojak gegründet hast?


Ich war schon viele Jahre nebenberuflich selbstständig. Daher habe ich viele Dinge Step für Step gelernt oder Lehrgeld für den ein oder anderen Fehler bezahlt. Aber wahrscheinlich hat mich am meisten überrascht, dass man einfach keinen Plan hat, wie Dinge in der Praxis wirklich funktionieren, wenn man sich selbstständig macht. Dafür lernt man aber Tag für Tag dazu und man kann sich täglich auf neue Herausforderungen freuen. Es gibt fast kein Tag, an dem man sich nicht um irgendein Problem kümmern darf, aber Herausforderungen gehören ja wie bei einem Abenteuer auch dazu.

Mojak Hüte unterwegs in Portugal
Mojak Hüte unterwegs in Portugal

Was bringt dir am meisten Freude an Mojak und deiner selbstständigen Arbeit?


Ganz klar sind es die tollen Menschen, die man im Laufe der ganzen Jahre kennenlernen durfte und die Freiheit, sich seine Zeit selbst einteilen zu können. Und natürlich ist es ein superschönes Gefühl, Menschen mit unseren Hüten unterwegs zu treffen oder auch nur Bilder von tollen Abenteuern mit unseren Hüten zu sehen.

Ein Unternehmen aufzuziehen ist nicht immer leicht. Was denkst du sind die wichtigsten Eigenschaften oder Faktoren, um trotzdem dran zu bleiben?


Ich glaube, man braucht ein eigenes „Warum“ und eine persönliche Vision, die man irgendwann gerne erreichen würde. Ein Projekt, für das man selber brennt, gibt einem deutlich mehr als nur den finanziellen Anreiz. Gerade am Anfang, wenn man den Erfolg noch nicht direkt auf dem Kontostand ablesen kann. Der Austausch unter anderen Selbstständigen ist auch super wertvoll, hier kann man sich nützliche Tipps holen.


Du bist ja nicht nur der Gründer von Mojak, sondern hast auch noch den Gründungsworkshop ‚Gründen & Meer‘ ins Leben gerufen und lehrst an der FH zum Thema Markenaufbau. Was denkst du sind die wichtigsten Eigenschaften, die eine erfolgreiche Marke ausmachen?


Eine Marke ist ja irgendwie ein sehr abstrakter Begriff, aber man kann sich eine gute Marke wie eine Person vorstellen, mit einer eigenen Persönlichkeit, Werten und einem guten Gespür für die Themen, die die Zielgruppe beschäftigt. Mein Lieblingssatz hierzu ist: „Keiner braucht dein Produkt, der Kunde muss es wollen“. Für alle, die sich (nebenberuflich) Selbstständig machen wollen und wen das Thema Gründen & Marke interessiert, haben wir einen tollen Marken-Gründer-Workshop in Leben gerufen. Im Oktober startet unser nächster Workshop in Portugal, direkt am Surfspot. Mehr Infos dazu gibts auf: www.gruendenundmeer.de

Gründen & Meer Workshops
Gründen & Meer Workshops

Wenn du anderen Gründern oder die, die es vielleicht werden wollen eine Sache oder einen Ratschlag mitgeben könntest, was wäre das?


Für unseren Gründer-Workshop habe ich damals ein schönes Zitat gebastelt. „Gründen ist wie surfen, du wirst oft durchgewaschen, bis es so richtig Spaß macht." Darum dranbleiben, wieder aufstehen und weiter paddeln. Nicht gleich aufgeben, wenn nach den ersten Monaten nicht sofort die dicken Euros im Geldbeutel sind. Und wie oben beschrieben hilft es, wenn man einen Traum hat, eine persönliche Vision, für die man brennt.


Und für alle, die sich unsicher sind, ob die Idee funktioniert ist nebenberuflich in die Selbstständigkeit starten eine super Möglichkeit, sein Projekt und seine Selbstständigkeit ohne finanziellen Druck Step für Step aufzubauen. So lief es bei mir auch und ich würde es immer wieder genau so machen.

Auch das Surfen darf nicht zu kurz kommen
Auch das Surfen darf nicht zu kurz kommen

Welche Projekte hast du für die Zukunft noch geplant und wo würdest du Mojak gerne sehen?


Tatsächlich würde ich irgendwann mal sehr gerne ein Event organisieren, auf dem alle Mojaks zusammen kommen. Keine Ahnung, ob sich das mal realisieren lässt, aber ich finde das zumindest eine superschöne Idee, weil wir einfach so megaliebe Kund:innen bzw. Mojaks haben.


Das Ziel wäre schon, dass Udo Lindenberg und Jan Delay einen Mojak Hut tragen. Spaß! Unsere Vision ist es, unsere eigenen Wertschöpfungskette aufzubauen. Mit einer eigenen Lieferkette. Von der Wolle zum Hut. Das Problem ist nur, dass das ganze Huthandwerk ein fast ausgestorbener Beruf ist und viele Produktionsstätten des letzten Jahrhunderts verschwunden sind. Genau hier setzt unsere Vision an.

Mojak vermittelt ein tolles Gefühl von Abenteuer, Freiheit und Naturverbundenheit. Was war dein letztes Abenteuer oder Natur Erlebnis, das dir im Gedächtnis geblieben ist?


Danke für das Kompliment, das freut mich wirklich sehr, wenn das auch so rüber kommt.


Puh, das ist eine gute Frage. Das wirklich letzte kleine Abenteuer war beim Wandern bzw. Bergsteigen in den Schweizer-Bergen – erst ein paar Wochen her. Auf halber Strecke vor dem Anstieg haben wir einen ziemlich lauten Steinschlag gehört und wir wussten nicht, wo der her kam, das war ein ziemlich mulmiges Gefühl, als wir dann noch ca. 45 Minuten bis zum Pass hinauf über Felsen klettern mussten. Hier wurde einem Mal wieder klar, wie klein und unwichtig man selber ist. Aber es ist natürlich alles gut gegangen, der Steinschlag war in echt superklein und nicht in der Nähe vom Anstieg. Aber es hat sich auf jeden Fall nach Abenteuer und Adrenalin angefühlt.

In diesem Sinne „Keep care of mother nature and mother nature keeps care of you“.

Vielen Dank für das schöne Gespräch. ´


Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte unbedingt bei Mojak vorbeischauen. Auch auf Instagram gibt es eine Portion Abenteuer, Natur und Reiselust auf Mojaks Account.


Wir bedanken uns für das spannende Gespräch und freuen uns auf viele weitere Trips und Abenteuer mit unserem Mojak Hut!

Mojak Hut auf Bild mit Sieve Fins
Mojak x Sieve Fins